November 2022

22. Bremer Dokumentarfilm Förderpreis die Preise

Die vom Filmbüro eingeladene Fachjury vergab dieses Jahr Recherchepreise an drei Projekte. Zwei der Dokumentarfilmideen setzen sich mit Migration auseinander; mit "unserem" Blick auf die betreffenden Personen und deren Unsichtbarkeit; im direkten wie im übertragenen Sinn. Außerdem wird zum Brokkoli recherchiert und was diese Kulturpflanze für Erzählstränge bereit hält. Wenn wir denn genau hinschauen.

Die 40 eingereichten Projektideen, davon 11 aus Bremen, wurden der Jury wieder anonymisiert vorgelegt, so dass die Entscheidung ausschließlich aufgrund jeweiligen Antrages gefällt wurde, unabhängig von Erfahrung und Bekanntheitsgrad der Autor:innen.

Die Jury 2022

Rouven Rech, Autor und Produzent Torero Film, Berlin
Beatrix Schwehm, Dokumentarfilmerin, ehem. Preisträgerin des Bremer DOK Preises (DIE KINDER VON BULLDOGS BANK) Bremen
Philip Widmann, Filmemacher und Kurator, mehrfacher Preisträger des Bremer DOK Preises (SZENARIO, DIE RUINEN VON B, KARMIN), Berlin

Das Preisgeld in Höhe von 12.000 Euro wird vom Senator für Kultur und aus Spendengeldern bereitgestellt.

Nach zweitägiger Diskussion wurden folgende drei Projekte ausgezeichnet:

Białowieża Dokumentarfilm von Christiane Schmidt und Didier Guillain, Berlin

Durch einen der letzten Urwälder Europas verläuft jetzt die Mauer. 5 Meter hoch aus weißem Stahl. Was macht diese Grenze mit den Menschen, die diesen Wald auf der Flucht durchqueren müssen? Was macht sie mit den Tieren, deren Wege durchgeschnitten werden?

Jurybegründung: „Białowieża“ hat uns durch seine besondere filmische Herangehensweise überzeugt, die wir in all ihrer Konsequenz umgesetzt sehen wollen.
Der respektvolle und sinnliche Zugang des Projekts zu einem der letzten Urwälder Europas an der Grenze zwischen Polen und Belarus, ermöglicht uns einen neuen Blick auf Flucht und Migration.
Indem Didier Guillain und Christiane Schmidt Überlagerungen der Spuren von Tieren, Flüchtenden und Aktivist:innen an diesem Ort sichtbar machen, eröffnen sie einen Raum für die Wahrnehmung der Verhältnisse von Schutz und Bedrohung an den Grenzen der Territorien von Staat und Natur.

Sprich Bild, Sprich Essayfilm von Pary El-Qalqili, Berlin

Ein Essayfilm, der einen selbstbestimmten Blick auf palästinensisches Leben in der Diaspora wirft. Ich seziere in dem Film das dominante Bilderrepertoire, degradierende Blickregime, sowie deren Leerstellen. Während im visuellen Diskurs palästinensische Frauen weitestgehend unsichtbar sind, ergreifen sie hier das Wort. Über ihr kritisches Hinsehen und subjektive visuelle Erinnerung entwerfen sie ein visuelles Gegenarchiv palästinensischer Geschichte in Deutschland.

Jurybegründung: „Sprich Bild, Sprich“ markiert eine filmische Position, der wir wünschen, dass sie gesehen und gehört werden wird.
Mit ihrem Projekt initiiert die Autorin eine Konfrontation mit konventionalisierten Bildern und den durch sie verdeckten Erfahrungen palästinensischen Lebens in Deutschland.
Aus ihrem persönlichen Zugang entwickelt sie eine essayistische Form, die sich dominanten Narrativen auf differenzierte Weise stellt und mit widerständiger Haltung auch zur Selbstbefragung auffordert.

It is difficult to discuss Brokkoli without mention Jungle dokumentarischer Experimentalfilm von Sirma Kekeç, Bremen

Ein dokumentarischer Kurz- und Experimentalfilm über die Kulturpflanze Brokkoli und den Amazonasregenwald. Eine filmische Kunst- und Wunderkammer, die ein Abbild der Welt im Kleinen schafft, ästhetisch als Collage gestaltet in der Kunstform eines Videoclips.

Jurybegründung: Wie schwierig und gleichzeitig bereichernd ein visueller Austausch mit dem beliebten Brokkoli-Gemüse sein kann, erfahren wir aus dem Projekt „How difficult is…“.
Sirma Kekeç begibt sich auf den Weg visueller und taktiler Analogien zwischen der verbreiteten Kohlpflanze, dem amazonischen Regenwald und vielfältigen, künstlerischen Kulturtechniken, die wiederum auf überraschende Weise in sehr konkrete Geschichten über eigene (biograpische) und fremde Schicksale münden. Eine mäandernd, umschleichende, bildzugewandte DOKUMENTARISCHE Experimentenanordnung.

Ausschreibung 22. Bremer Dokumentarfilm Förderpreis

Das Filmbüro vergibt diesen Recherchepreis seit 1991. Die anonymisierte Ausschreibung leitet die Aufmerksamkeit auf die Vielfalt der Themen und Formen, die in der dokumentarischen Form schlummern. Wir freuen uns über entsprechend überraschende Projekte aus allen Ecken der Gesellschaft. Für Quereinsteiger:innen bietet das Filmbüro Bremen eine Projektberatung an.

Bremer Dokumentarfilm Förderpreis
Bremer Dokumentarfilm Förderpreis

Der Bremer Dokumentarfilm Förderpreis wird seit 1991 vom Filmbüro Bremen vergeben und war von Beginn an einzigartig: prämiert werden Ideen für neue Dokumentarfilmstoffe. Diese können mithilfe des Preisgeldes recherchiert und zur Produktionsreife weiterentwickelt werden. Einer der Preise geht an ein Bremer Projekt.

Seit 2020 werden die Projekte der Jury anonymisiert vorgelegt, so dass die Entscheidung ausschließlich aufgrund des vorliegenden Projektes, unabhängig von Erfahrung und Bekanntheitsgrad der Autor:innen gefällt wird. Das Preisgeld in Höhe von 12.000 Euro wird vom Senator für Kultur und aus Spendengeldern bereitgestellt.

Einsendeschluss: 4.Oktober 2022

Ein Antrag umfasst zwei getrennte pdf-Dokumente:

  1. Einreichformular. Dieses Dokument ist nur für interne Zwecke und wird nicht an die Jury weiter gereicht.
    Sollte bereits Recherchematerial für das beantragte Projekt vorhanden sein, kann im Formular ein Link zu max.10 Minuten Video/Audioprobe angegeben werden.
  2. Anonymisierte Projektskizze für die Jury (gesamt < 15.000 Zeichen) bestehend aus: Synopsis und Projektbeschreibung, Persönliches Statement / directors note, geplante Arbeitsschritte und Zeitplan, grobe Kalkulation für die Recherchephase (siehe hierzu unsere Honorarempfehlungen ).

Einreichungen bitte per Email an: (Email-Adresse)

-> FAQ zum Bremer DOK Preis

Wir empfehlen eine Antragsberatung im Filmbüro!
Diese ist im September möglich bei
Saskia Wegelein, 0421-7084891, (Email-Adresse)
Wir ermutigen ausdrücklich auch Quereinsteigende zur Einreichung.

Dokumentarfilm. Foto: Hannah Wolff
Dokumentarfilm. Foto: Hannah Wolff

Am Anfang steht die Idee – dann folgt ein oft steiniger Weg bis zur Umsetzung: ausführliche Recherchen, dramaturgische Aufbereitung und die Entwicklung eines filmischen Konzeptes sind mit viel Arbeit, Zeit und Kosten verbunden. Das Filmbüro Bremen unterstützt mit seinem Förderpreis seit 1991 die Lust am dokumentarischen Filmschaffen und ermöglicht mindestens zwei Projekten eine intensive Entwicklung. Gesucht werden unerwartete Themen, sowie interessante Herangehensweisen.

Der Bremer Dokumentarfilm Förderpreis ist ein Recherche-Preis.
Prämiert wird die Idee für einen Dokumentarfilm, die mit Hilfe des Preisgeldes recherchiert und zur Produktionsreife gebracht wird. Antragsberechtigt sind Autor.innen und Filmemacher:innen aus dem gesamten Bundesgebiet.

Die Antragstellung erfolg anonymisiert.
Eine unabhängige Fachjury entscheidet frei und ohne inhaltliche Vorgaben und vergibt zwei bis drei Preise in Höhe von insgesamt 12.000 €, bereitgestellt vom Bremer Senator für Kultur und aus Spendengeldern. Ein Preis ist einem Projekt mit Bremenbezug vorbehalten. Der Dokumentarfilm Förderpreis wird zweckgebunden für die Entwicklung des eingereichten Projektes vergeben, die Auszahlung erfolgt in drei Raten. Als Ergebnis sollen ein ausgearbeitetes Treatment und ein Trailer entstehen.

Der Bremer Dokumentarfilm Förderpreis wird ermöglicht durch Projektmittel des Senators für Kultur und durch Spendengelder.

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