2009: Die zehn subversivsten Filmen aller Zeiten

Film von Andrei Ujica und Harun Farocki in einer Top-10-Liste der Cahiers du cinéma.

In der Ausgabe Juli/August 2009 hat die Zeitschrift "Cahiers du cinéma" eine Top-10-Liste der subversivsten Filme der Kinogeschichte veröffentlicht, in der sich auch "Videogramme einer Revolution" findet, den Andrei Ujica zusammen mit Harun Farocki 1992 realisiert hat. So wird dieses Standardwerk über die rumänische Revolution im Jahre 1989 zwischen Kinoklassikern wie "Kino-Auge" (1924) von Dsiga Wertow, "Das Glück" (1934) von Aleksandr Medvedkin, "Saló oder die 120 Tage von Sodom" (1975) von Pier Paolo Pasolini, "Der Teufel möglicherweise" (1977) von Robert Bresson und "Die letzte Versuchung Christi" (1988) von Martin Scorsese genannt. Doch auch Großmeister des amerikanischen Experimentalfilms und des japanischen Underground-Kinos haben in der Auswahl ihren Platz gefunden.

Diese Liste der zehn Subversivsten ist nur eine von zehn, die die Cahiers du cinéma derzeit aufstellen, um einen vielschichtigen Umriss der Kinogeschichte zu zeichnen. Das Magazin, das seit 1951 zehnmal jährlich erscheint und ohne weiteres als die Quelle jeglichen kinematographischen Diskurses bezeichnet werden kann, hat es sich zur Aufgabe gemacht, durch die eigenhändige Auswahl der Jurymitglieder, bei denen es sich um Filmschaffende, -kenner, und -kritiker aus der ganzen Welt handelt, dem System des Tele- und Internetvotings entgegen zu halten. Dieses droht durch Wahlaktionen megalomanischen Ausmaßes vielerlei historische Gewichtungen willkürlich zu verschieben, da es von einer beliebigen Öffentlichkeit bestimmt wird, deren Kompetenzen jedoch mehr als fraglich sind. Unter dem Deckmantel der Demokratie, die sich aber mangels souveräner Vertreter unversehens in puren Egalitarismus verwandelt, überhäufen Meinungen der Masse mehr und mehr den kritischen Diskurs, so dass nun auch die Filmgeschichte akut Gefahr läuft, verfälscht zu werden. Durch die Bildung eines Gremiums, das sich auf Spezialisten beschränkt und das den bezeichnenden Titel "Conseil d'insecurité" ("Unsicherheitskonzil") trägt, möchten die Cahiers du cinéma ein deutliches Zeichen gegen die gegenwärtigen populistischen Entwicklungen setzen und die Position des Kritikers davor bewahren, in einem massenmedialen Wust unterzugehen. In dieser Reihe der besten Filme wird nicht nur jedes der Jurymitglieder namentlich genannt, auch sind deren kurze Wahlbegründungen wesentlicher Teil des Ergebnisses, das somit weit mehr ist als nur eine Liste: In gepflegter Diskursform stellt es vor allem eine Reflexion der Kinogeschichte unter unterschiedlichen Aspekten dar und nimmt seine Aufgabe ernst, der Idee eines kritischen Kanons treu zu bleiben. Das mag auch der Grund dafür sein, weshalb diese Auswahl der Top 10 in Wahrheit aus elf Titeln besteht -- ganz beiläufig, aber umso treffsicherer, ironisieren damit die Cahiers du cinéma den faulen Internet-Zahlenzauber beliebig langer Bestenlisten à la IMDb.

Ganz im Zeichen seiner Gegenposition, sind die Inhalte des Magazins auf dessen Website www.cahiersducinema.com kaum einsehbar. Den entsprechenden Beitrag (in der Originalsprache französisch) haben wir daher als PDF unter folgendem Link online verfügbar gemacht: www.hfg-karlsruhe.de/~aujica/presse/videogramme/cahiersducinema.pdf

(Text: Kilian Ochs)

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