Mai 2020

Filmstart Bremen 06 die Stipendiaten 2020/21

Die sechste Runde geht mit acht geförderten Projekten an den Start. Die Jury hatte im Mai entscheiden und insgesamt 37.000 Euro verteilt.

filmstart6 flyer
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Zum sechsten Mal wurde das von nordmedia und Filmbüro Bremen entwickelte Projektstipendium für Nachwuchsfilmprojekte und künstlerische Filme vergeben. 29 Projekte mit einem Förderbedarf zwischen 1.000 und 10.000 Euro wurden eingereicht, 37.000 Euro standen insgesamt zur Verfügung.

Jury: S.Heinrich, C.Lutz, S.Swobodnik
Jury: S.Heinrich, C.Lutz, S.Swobodnik

Die Jury bestand aus Susanne Heinrich (Filmemacherin, Leipzig), Dr. Cosima Lutz (Filmkritikerin, Berlin/Nürnberg) und Sobo Swobodnik (Filmemacher, Preisträger des Bremer Dokumentarfilm Förderpreis 2017, Berlin). Die Jurysitzung am 12./13. Mai 2020 fand aufgrund von Corona teilweise als Videokonferenz statt.

Aus den eingereichten 29 Projekten – davon 27 aus Bremen – wurden acht Bremer Projekte zur Förderung ausgewählt.
Viele Projekte hatten die Antragsberatung des Filmbüros in Anspruch genommen. Drei der jetzt geförderten Projekte wurden bereits in einer früheren Phase von einer anderen Jury zur Förderung durch das Filmbüro ausgewählt. So gibt es nun eine Produktionsförderung für die dokumentarische Serie über junge Frauen in Eritrea, eine Produktionsförderung für das multimediale Projekt zur Medienarchäologie und eine Vertriebsförderung für das Porträt der kürzlich verstorbenen Bremer Performance-Künstlerin Martina Werner.

Wir können gespannt sein auf einen sehr künstlerisch-freien Filmstart- Jahrgang: die meisten der jetzt geförderten Projekte öffnen die Grenzen des traditionellen Films in Richtung Kunst. Die Ergebnisse werden im Folgejahr auf dem Filmfest Bremen präsentiert.

Gefördert werden durch das Projektstipendium Filmstart 06

Delmenhorst 2020 Dokumentarfilm von Thomas Keiser

Hinter Huchting ist ein Graben, und dahinter liegt direkt die unattraktivste Stadt Deutschlands. So ähnlich titelte 2015 der Deutschlandfunk in einem Online-Artikel. Angeblich ist sie auch die kriminellste Stadt Deutschlands und tatsächlich besagt die Geschichtsschreibung, dass bereits im Mittelalter Raubritter Gerd hier passierende Kaufleute überfiel.

Jurybegründung: Wer Delmenhorst nicht kennt, wird die Stadt mit dem Film „Delmenhorst 2020“ von Thomas Keiser kennen- und lieben lernen. Der Filmemacher, der selbst aus der „unattraktivsten Stadt Deutschlands“ (DLF) stammt, nähert sich dem Ort in humorvoller Erzählweise, indem er sich ganz unterschiedlicher filmischer wie künstlerischer Mittel bedient, um dem Mythos der Stadt auf die Spur zu kommen – oder ihn überhaupt erst zu konstruieren.

5.000€ Produktion

Thomas Keiser
Thomas Keiser

Thomas Keiser, aufgewachsen in Delmenhorst, lebt und arbeitet als Künstler und Designer in Bremen. Er bewegt sich in seinen Arbeiten zwischen Video, Sound und Live Performance. 2017 hat er seinen Master im Integrierten Design bei Prof. Samuel Nyholm absolviert. Die Arbeit wurde mit dem Frese Design Preis ausgezeichnet. Seit 2018 ist er Meisterschüler bei Prof. Rosa Barba, in der Klasse 'Erweiterte Ideen von filmischen Räumen und konzeptuelle Fotografie'.

Die Scherben Crossmediales Projekt + Kurzfilm von Jan van Hasselt

Die Scherben untersucht Fragmente von Schallplatten, die der Autor in einem Archiv in Italien findet. Es stellt sich heraus, dass sich auf den zerbrochenen Platten scheinbar Filmfragmente befinden. Worum handelt es sich? Teile eines unvollendeten faschistischen Science Fiction Projektes?

Jurybegründung: Zwischen Medienarchäologie und Fiktion bewegt sich Jan van Hasselts neuestes Projekt. „Die Scherben“ spielt mit der Verführungskraft von Narrativen und der Lust, an sie zu glauben. So komplex wie (im besten Sinne) verschroben, verspricht das Konzept aufregende künstlerische Forschung mit Unterhaltungsfaktor. Vorfreude!

5.000€ Produktion

Jan van Hasselt
Jan van Hasselt

Jan van Hasselt (*1972) ist Autor und Filmemacher. Seine Filme, Radio- und Theaterprojekte kreisen meist um popkulturelle Themen, politisch relevanten Müll und Abseitiges. Die Scherben ist sein viertes Theaterprojekt und wird, wenn möglich, im November 2020 in der Schwankhalle Bremen Premiere haben.

Mama isst den Tod. Porträt Martina Werner Porträtfilm von Monika B. Beyer

Laut und sprachgewaltig, schroff und unbekümmert hat Künstlerin Martina Werner ihre tiefgreifenden Einsichten in vergangene Zeitebenen verbunden mit der Realität einer klaren Gegenwärtigkeit.

Jurybegründung: Einfach, sparsam, geradezu klassisch in der Wahl der ästhetischen Mittel – dieser Film nimmt sich zurück und gibt uns dadurch Raum, uns einer Ausnahmekünstlerin zu nähern. Zwischen Ateliergesprächen und Archivaufnahmen gelingt der Filmemacherin ein so unsentimentales wie zärtliches Porträt. Allein: Wann haben wir jemals so viele männliche Künstler über eine weibliche Kollegin schwärmen sehen? Wir wünschen uns, dass der Film ein interessiertes Publikum findet und vielleicht zu einer neuen
Würdigung des Schaffens dieser aufregenden Künstlerin beitragen kann.

5.000€ Vertrieb/Postproduktion

Monika B. Beyer
Monika B. Beyer

Monika B. Beyer, geboren 1958 in Weimar/Thüringen, arbeitet seit 1993 freiberuflich als Künstlerin mit Schrift / Zeichnung und Objekt; seit 2001 auch als Videokünstlerin und Filmemacherin im Bereich interdisziplinärer Kunstprojekte, Dokumentation im Kunstbereich und Porträtfilme. Außerdem hat sie Ausbildungen als Schriftsetzerin, Computergrafik, Video-/Filmschnitt, Neue Medien, Medienmanagement. Sie hat bereits mehrere Filme über Bremer KünstlerInnen realisiert, u.a. mit Förderung "Wär ich aus China, würd' man mich verstehen".

Prayer for Taiwan Experimenteller (Musik)Film von Tobias Klich

Das 1856 veröffentlichte Klavierstück »Gebet einer Jungfrau« der polnischen Komponistin Tekla Bądarzewska-Baranowska dient in Taiwan als Erkennungsmelodie der Müllwagen, die damit die BewohnerInnen auffordern, ihren Müll zur Abholung auf die Straße zu bringen. Der experimentelle Film »Prayer for Taiwan« möchte diese im alltäglichen Leben der Menschen in Taiwan äußerst präsente Melodie – hier kompositorisch bearbeitet im Stil traditioneller taiwanesischer Nankuan-Musik – in einen anderen, politischen Kontext versetzen und es auf diese Weise in ein »Gebet« zur künstlerischen Aufarbeitung der komplexen Geschichte Taiwans verwandeln.

Jurybegründung: Tobias Klichs musikalisch-filmisches Projektvorhaben „Prayer“ überzeugt die Jury durch die überraschende Entfaltung politischer Zusammenhänge anhand eines einzigen musikalischen Motivs. Ausgehend von dem scheinbar harmlosen Kuriosum, dass in Taiwan ein Salonmusikstück aus Europa als Erkennungsmelodie von Müllwagen dient, verspricht „Prayer“ zu rekonstruieren, wie Politik Unerwünschtes entsorgt oder nur neu arrangiert, und wie Kunst - skulptural, musikalisch - es schafft, dem Thesenhaften ein Rätsel einzuschreiben, jenseits starrer Rituale.

5.000€ Produktion

Tobias Klich/Foto: James Chan-A-Sue
Tobias Klich/Foto: James Chan-A-Sue

Tobias Klich arbeitet als Komponist, Gitarrist, Musikfilmemacher und bildender Künstler. Seine interdisziplinären Kompositionen untersuchen den polyphonen Zusammenhang von Hören und Sehen vor dem Hintergrund philosophischer und gesellschaftlicher Fragestellungen. Studium (Komposition und Gitarre) in Weimar und Bremen. Seit 2018 Vorsitzender von tritonus e.V. .

Mexican Me Dokumentarfilm von Can Mansuroglu und Imke Hansen-Mansuroglu. Produktion: Timur Mansuroglu

Für den obdachlosen „Deportado“ Manny ist die mexikanische Grenzstadt Tijuana die Endstation, seine Abschiebung die Quittung dafür, dass er in seinem früheren Leben nach den Regeln der mexikanischen Mafia „La Eme“ gelebt hat. Doch dem Ende mit Schrecken wohnt auch ein neuer Anfang inne.

Jurybegründung: „Mexican Me“ blickt in eine Lebenswirklichkeit, die den meisten Menschen fremd anmuten dürfte: ein Leben jenseits der gerade entstehenden amerikanischen Mauer in der mexikanischen Grenzstadt
Tijuana. Das Porträt über den einstigen Mafioso Manny nimmt uns mit in eine Welt jenseits der üblichen Medienberichterstattung und zeigt eindrucksvoll, wie sich konkrete Politik auf die Lebensbedingungen der davon betroffenen Menschen auswirkt.

5.000€ Projektvorbereitung

Can Mansuroglu, Imke Hansen-Mansuroglu. Foto: Ben Eichler
Can Mansuroglu, Imke Hansen-Mansuroglu. Foto: Ben Eichler

Imke Hansen-Mansuroglu & Can Tobias Mansuroglu sind Filmemacher. Can hat in Bremen Journalistik studiert; Imke Medientechnik, irgendwo in Niederbayern. In München kreuzten sich ihre Wege. Dort arbeiteten sie gemeinsam an der Kinderwissenssendung „Checker Can“. Er vor, sie hinter der Kamera. Aus Liebe zum Dokumentarfilm checkten sie aus der Festanstellung aus und reisen seitdem durch die Welt auf der Suche nach Geschichten. Besonders wichtig ist den beiden ein empathischer Blick und die Nähe zu ihren Protagonisten. Momentan arbeiten sie an ihrem Kino Debüt „Where is my Mind?“ (AT). Einem Dokumentarfilm darüber wie weit Freundschaft in schweren Zeiten reichen kann und darf.

Töchter der Revolution Dokumentarische Serie von Christine Vogelsang

Im Sommer 2018 schließen die Regierungen Äthiopiens und Eritreas nach jahrzehntelanger Feindschaft den von den Menschen in beiden Ländern ersehnten Frieden. Die drei charismatischen und selbstbewußten jungen
eritreischen Frauen Fiori, Helen und Halima nehmen uns mit auf eine Reise durch ein Land, welches von großen Umbrüchen geprägt ist.

Jurybegründung: Christine Vogelsang führt uns in ein Land, von dessen spannenden Umwälzungen in den letzten Jahren in Europa viel zu wenig bekannt ist: nach Eritrea. Für ihr groß angelegtes dokumentarisches Projekt „Töchter der Revolution“ bereist sie seit mehreren Jahren das ostafrikanische Land und spricht mit drei sehr unterschiedlichen Frauen, von denen jede auf ihre Art versucht, das Land neu mit aufzubauen. Die bisherigen Arbeitsproben zeugen von Vogelsangs großem Gespür für Rhythmus, Tempo und Kontraste. Die Jury ist gespannt, welchen dramaturgischen Bogen die Regisseurin bei der Umkreisung des Themas Selbstbestimmung in einem Ein-Parteien-Regime findet und wünscht sich deshalb, dass sie aus dem vielversprechenden
Material zunächst eine von drei geplanten Episoden fertigstellt.

5.000€ Produktion

Christine Vogelsang
Christine Vogelsang

Christine Vogelsang arbeitet seit dem Studium an der Kunsthochschule in Ottersberg als freischaffende Künstlerin in Bremen mit dem Schwerpunkt Grafik und Fotografie. Ihr Interesse am dokumentarischen Arbeiten entwickelte sich thematisch aus ihrer langjährigen Verbindung zu Eritrea. Mit „Töchter der Revolution“ realisiert sie als Autorin und Regisseurin ihren ersten Dokumentarfilm.

Einigkeit einig vereint einen vereint Einigkeit (AT) Essayfilm von Stephan Thierbach. Produktion: Norman Neumann

Der Film ist der Versuch einer Reise per Anhalter durch einen Staat, der nicht mehr existiert. Die zentrale Frage, die ich mitnehme, ist die nach dem „Verschwinden“. Dieser Dokumentarfilm/Essayfilm wird mich entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze führen, zu Gedenkstätten und zu Orten des (alltäglichen) Widerständigen innerhalb eines repressiven Systems.

Jurybegründung: Gibt es jenseits von Sentimentalität eine Möglichkeit, einen Staat zu durchqueren, der nur noch als innere Landkarte existiert? Der Künstler Stephan Thierbach stellt sich mit seinem dokumentarischen Essayfilm „Einigkeit einig vereint einen vereint Einigkeit“ der Aufgabe, entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze verschwundene Räume und Räume des Verschwindens filmisch aufzuspüren. Auch wenn sich der Titel selbst wie ein sperriger Grenzzaun ausnimmt, versprechen Thierbachs visuelle
Neugierde, sein Gespür für das Auffinden von architektonischen und geografischen Strukturen und sein offenes und zugleich konzises Konzept eine zeitgemäße Archäologie, die neue Perspektiven auf ein verfahrenes Thema bereithält.

4.000€ Produktion

Stephan Thierbach.Foto: Daniel Johannes Thierbach
Stephan Thierbach.Foto: Daniel Johannes Thierbach

Stephan Thierbach, geboren und aufgewachsen in Berlin-Pankow. Studium der Pädagogik und Sozialwissenschaften, Universität Bielefeld; Kulturwissenschaften, Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder); Theaterpädagogische Ausbildung, Berlin; Freie Kunst, Hochschule für Künste Bremen. Derzeit im MeisterschülerInnen-Programm der HfK Bremen bei Prof. Sadr Haghighian. Parallel dazu bildet er sich im Bereich des Rehabilitationssports weiter. www.meinmeinkiez.de

Wiederkehr / Povratak Dokumentation einer performativen Reise von Branka Čolić

Eine Reise mit zwei Urnen. In den Urnen die Asche meiner Eltern. Ich bringe sie dahin zurück, wo sie herkommen. Ich weiß genau, wo das ist. Auch wenn es das Land nicht mehr gibt. Bei mir selbst bin ich da nicht so sicher.

Jurybegründung: Lässt sich Trauer repräsentieren? Eine performative Reise, zehn Jahre später. Die Form des filmischen Re-Enactment ermöglicht ein Spiel mit Erinnerung, Authentizität, Erzählung. Wir sind gespannt auf poetische, kontemplative Bilder zwischen Roadmovie und Experimentalfilm.

3.000€ Produktion

Colic
Colic

Branka Čolić, deutsche Kroatin oder hier geborene Tochter jugoslawischer Einwanderer, kennt die nicht abgeschlossenen und doch geheimen Räumlichkeiten der Performancekunst ebenso wie jene der Popkultur – von innen. Ihr Diplom hat sie aus Hamburg von Matt Mullican. Sie lebt und arbeitet in Bremen und Berlin.

Information und Kontakt:

Stempel klein
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Saskia Wegelein-Golovkov oder Ilona Rieke
Mail: (Email-Adresse)
Telefon: 0421-7084891

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