Mai 2019

Filmstart Bremen 05 die Stipendiaten 2019/20

Die fünfte Runde geht an den Start. In diesem Jahr standen 34.200 Euro zur Verfügung.

Filmstart05 vorne
Filmstart05 vorne

36 Projekte – davon 34 aus Bremen und 18 von Frauen – hatten sich beworben, darunter Dokumentarfilme, Spielfilme und Animationen, Projektentwicklung, Produktion, Vertrieb. Die Anträge spiegeln das vielseitige regionale Filmschaffen in seiner ganzen Farbigkeit.

Jury Filmstart5 J. Eichberg S. Schuele
Jury Filmstart5 J. Eichberg S. Schuele

Die Jury bestand aus Jan Eichberg (Autor, Bremen), Susanne Schüle (Kamerafrau, Filmemacherin, Professorin für Kamera Filmuniversität Potsdam, Berlin) und Karsten Krause (Filmemacher, Produzent Fünferfilm, Hamburg).

In der Jurysitzung am 25./26.April 2019 wurden aus den 36 Einreichungen acht Projekte zur Förderung ausgewählt; davon 5 Projekte von Frauen, 7 Bremer, 2 Recherche- und 6 Produktionsförderungen, 6 dokumentarische, ein fiktionaler und ein nicht-kategorisierbarer Film.

Viele Projekte hatten die Antragsberatung des Filmbüros in Anspruch genommen. Drei der jetzt geförderten Projekte waren in einer früheren Phase schon vom Filmbüro gefördert worden. Wir freuen uns, wenn die Förderungen aufeinander aufbauen und so für eine nachhaltige Entwicklung der Filmszene sorgen.

Wir können gespannt sein auf den neuen Filmstart-Jahrgang: die Projekte stellen Verbindungen her zwischen alten Schallplatten und Nazi-Science-Fiction-Filmen, zwischen Zwillingen und Lebendorganspende, zwischen Opa und Enkelin, zwischen Iranischen Frauenrechtlerinnen und Internet, zwischen Bild und Tanz und Budapest und 1997.
Es wird recherchiert zu jungen Frauen in Eritrea, ein Kurzfilm entführt uns in eine dystopische Welt und die kürzlich verstorbene Bremer Performance-Künstlerin Martina Werner bekommt ein Filmportrait.

Die Ergebnisse werden im Folgejahr auf dem Filmfest Bremen präsentiert.

Gefördert werden durch das Projektstipendium Filmstart 05

Töchter der Revolution Dokumentarfilm von Christine Vogelsang

Im Sommer schliessen die Regierungen Äthiopiens und Eritreas nach jahrzehntelanger Feindschaft den von den Menschen in beiden Ländern ersehnten Frieden. Der Film begleitet den Beginn des Friedensprozesses aus der Perspektive der jungen eritreischen Frauen Helen, Fioni, Wasri und Halima und folgt ihren individuellen Lebenswegen in verschiedenen Regionen des Landes.

Jurybegründung: Drei charismatische und selbstbewusste junge eritreische Frauen nehmen uns mit auf eine Reise durch ein Land, welches von großen Umwälzungen im aktuellen Friedensprozess geprägt ist. Aus ihren Perspektiven erleben wir ihre persönlichen Lebensrealitäten und ihren Einsatz für ein selbstbestimmtes Leben.
Die langjährige tiefe Verbundenheit der Autorin mit Eritrea, lässt uns einen wahrhaftigen Einblick in den hoffnungsvollen Aufbau einer demokratischen Zivilgesellschaft erwarten.

7.500€ Recherche/Produktionsvorbereitung

Christine Vogelsang
Christine Vogelsang

Christine Vogelsang arbeitet seit dem Studium an der Kunsthochschule in Ottersberg als freischaffende Künstlerin in Bremen mit dem Schwerpunkt Grafik und Fotografie. Ihr Interesse am dokumentarischen Arbeiten entwickelte sich thematisch aus ihrer langjährigen Verbindung zu Eritrea. Mit „Töchter der Revolution“ realisiert sie als Autorin und Regisseurin ihren ersten Dokumentarfilm.

Passage Kurzspielfilm von Justin Koch

Etwas in der Welt ist geschehen. Zwei junge Frauen versuchen, die letzte Fähre zu erreichen, die sie in Sicherheit bringt. Zunächst müssen sie jedoch die PASSAGE durchqueren, den scheinbar letzten sicheren Pfad durch die Wildnis der Welt.

Jurybegründung: Justin Kochs Filme überzeugen durch dichte atmosphärische Bilder und starke Schauspielführung. Sein Projekt PASSAGE beschäftigt sich mit der abstrakten dystopischen Angst unserer gegenwärtigen Gesellschaft und lässt diese durch seine beiden Protagonistinnen konkret werden. Wir freuen uns auf einen körperlichen, mitreißenden Film, der uns aus unserer Komfortzone zwingt.

6.200€ Produktion

Die Scherben Crossmedia Mocumentary von Jan van Hasselt

Zerbrochene Schallplatten aus der Zeit des Nationalsozialismus in einem mailänder Archiv scheinen mehr Informationen zu enthalten als Musik. Was ist auf diesen Platten? Das Projekt will dem in einem Ton-Bild-Vortrag und einem Dokumentaressay nachgehen.
Jurybegründung: Wir sind gespannt, welche Ungeheuerlichkeiten sich auf den bisher vergessenen Bildplatten finden werden. Handelt es sich dabei um Science-Fiction-Filme der Nazis, oder ist van Hasselt gar einer spektakulären Verschwörung auf der Spur? Ein im besten Sinne unverschämtes Projekt, dass uns immer schwieriger zwischen Fakt und Fiktion unterscheiden lässt und somit auch einen Beitrag um die aktuelle Diskussion um Wahrheit und Fake News beisteuert.

5.000€ Projektentwicklung

Jan van hasselt
Jan van hasselt

Jan van Hasselt arbeitet als Theater-, Film- und Radioautor in Bremen. In seinen Arbeiten beschäftigte er sich am liebsten mit Popkultur und Perversionen, am allerliebsten mit perversen Formen von Popkultur. Seine Performances und Filme bewegen sich gerne an den Grenzbereichen zwischen Film, Literatur und Theater.

Wir leben immer noch Dokumentarfilm von Susanne Hensdiek

Zwei Brüder, Christian und Matthias. Zwillinge. Eineiig. 48 Jahre alt. Der eine ist Schauspieler in Bremen, der andere Sachbearbeiter in Aschaffenburg. Als Kind ist der eine gesund und kräftig, der andere kränkelnd und schwach. Als sie 17 sind, wird im letzten Moment erkannt, dass Matthias nur eine Niere hat, die versagt und ihn über Jahre vergiftet hat. Christian spendet ihm seine. Ein Portrait über zwei sehr ähnliche und doch sehr unterschiedliche Brüder.
Jurybegründung: Das humorvolle Porträt zweier Zwillingsbrüder, die dem Tod ein Schnippchen schlagen, erzählt von einer besondere Geschwisterbeziehung. Überzeugt hat uns, dass dabei nicht eine schwere Krankengeschichte im Vordergrund steht, sondern der anarchistische und freche Umgang der beiden Protagonisten mit ihrem Schicksal. Die zu spürende Nähe der Autorin zu ihnen lässt eine spannende und ehrliche Auseinandersetzung zu dem Thema der Lebendorganspende erwarten. Ihre uneigennützige Lebenshaltung sehen wir besonders in unseren Zeiten der Selbstoptimierung als ein gesellschaftlich relevantes und erzählenswertes Thema.

5.000€ Produktion

Susanne Hensdiek
Susanne Hensdiek

Susanne Hensdiek 1975 in Gütersloh geboren, kam nach dem Abitur über den redaktionellen Weg (Radio und Zeitung) zur Kameraassistenz (u.a WDR, teutoTELE Bielefeld). Nach einem Kameravolontariat arbeitete sie ab 1997 bei Television Aktuell als (später leitende) Kamerafrau und Cutterin. Seit 2005 ist sie freiberuflich als Kamerfrau selbstständig. Vom Filmbüro wurde bereits ihr Dokumentarfilm Keine richtige Frau vom Filmbüro gefördert.

1997 Budapest Dokumentarische Erinnerungsperformance von Rahel Pasztor

DerKurzfilm erkundet die Dualität zwischen skurriler Romantik und dem Realismus von vergänglichen Geschichten und Momenten. Diese Dualität wird von zwei Menschen aus zwei verschiedenen Kulturen erforscht, die in einer Parallelwelt in 1997 in Budapest lebten.

Jurybegründung: Ein bittersüßer Abschied von Orten, die es so bald nicht mehr geben wird. Ein wehmütiger, traumhafter Tanz, in dem wir uns gerne verlieren wollen.

4.500€ Produktion

Rahel Pasztor
Rahel Pasztor

Rahel Pasztor, geboren 1984 in Budapest, Ungarn. In Budapest aufgewachsen, studierte
sie 2010–2014 Integriertes Design und Freie Kunst in der Hochschule für Künste in
Bremen und 2014–2016 am Sandberg Instituut in Amsterdam. Seit 2017 lebt und
arbeitet sie als freiberufliche Fotografin und Filmemacherin in Bremen und Budapest.

Mama isst den Tod - Martina Werner Portraitfilm von Monika B. Beyer

„Mama isst den Tod...“ ist ein Textauszug aus dem Werk „Monogramme“, 1965, von Martina Werner und kann gleichzeitig als Wegweiser durch ihr – sich seit dem verdichtendes und raumgreifendes Gesamtkunstwerk stehen. Dieser Portaitfilm führt ein in den Kosmos eines Lebenskunstwerkes, in deren Mittelpunkt eine leidenschaftliche Künstlerin steht, welche in ihrer Zeit ungebahnte und ungewöhnliche Wege geht und wenig später als ‚Leuchtturm‘ für die damals jüngere KünstlerInnengeneration steht. Martina Werner war Journalistin, Lyrikerin, Archäologin, Malerin und Performerin.

Jurybegründung: Schon nach einer Minute Archivmaterial sind wir von Monika B. Beyers Projekt überzeugt: Eine Perfomance der Künstlerin Martina Werner – vielleicht aus den 60ern – strahlt eine so große Energie, eine solche unbedingte Konsequenz aus, dass wir, ungläubig staunend, gebannt auf die alten Aufnahmen starren. Ihre Weggefährten und Familienmitglieder erzählen uns von einer Frau, die kompromisslos für die Kunst lebte, gegen das konservative Frauenbild aufbegehrte, mit Depressionen zu kämpfen hatte und sich doch immer wieder dazu aufraffte, neue, unbeschrittene Wege in der Kunst zu gehen.

3.000€ Produktion

Monika B. Beyer
Monika B. Beyer

Monika B. Beyer, geboren 1958 in Weimar/Thüringen, arbeitet seit 1993 freiberuflich als Künstlerin mit Schrift / Zeichnung und Objekt; seit 2001 auch als Videokünstlerin und Filmemacherin im Bereich interdisziplinärer Kunstprojekte, Dokumentation im Kunstbereich und Porträtfilme. Außerdem hat sie Ausbildungen als Schriftsetzerin, Computergrafik, Video-/Filmschnitt, Neue Medien, Medienmanagement. Sie hat bereits mehrere Filme über Bremer KünstlerInnen realisiert, u.a. mit Förderung Wär ich aus China, würd' man mich verstehen.

Der alte Mann und der Fluss Dokumentarfilm von Lavinja Jäkel

Der 95-jährige Bernhard verbringt seine Sommertage im Kanu, nachts campt er am Flussufer. Nun kommt ihm sein Alter in die Quere – dieses Jahr möchte Bernard einen letzten Sommer auf dem Wasser verbringen. Enkelin und Filmemacherin Lavinja kehrt zurück in ihre Heimat Bremen-Nord, um ihren Großvater in einem Sommer zwischen Campingidylle und Altenheim-Besichtigung zu begleiten.

Jurybegründung: Ein unsentimentaler Film über Gott und Welt, über das Leben und den Tod. Der agile 95jährige Großvater nimmt seine Enkelin und Regisseurin auf eine letzte gemeinsame Flussfahrt mit. Ein Jahrhundert wird sich entblättern, Erlebnisse von bedeutenden weltpolitischen Ereignissen stehen neben privaten Anekdoten.
Noch einmal eintauchen in das Leben eines humorvollen lebensbejahenden Freigeistes: „Ich bin ja viel alleine. Aber das macht nichts… da ist wohl das wichtigste, dass man morgen in den Spiegel guckt und denkt, dich mag ich gerne.“

2.000€ Produktion

Lavinja Jäkel
Lavinja Jäkel

Lavinja Jäkel (*1986 in Bremen-Vegesack) studierte Theaterwissenschaft in Berlin und arbeitet als TV-Redakteurin in Hamburg. „Der alte Mann und der Fluss“ ist ihr erster Dokumentarfilm.

The Girls of Enghelab Street Dokumentarfilm von Mohsen Azizi

Viele Frauen im Iran beginnen, für die weibliche Freiheit und Gleichheit zu kämpfen. Die Frauen haben vor einigen Jahren auf Instagram eine gemeinsame Website eröffnet und teilen miteinander und für die Öffentlichkeit ihre negativen Erfahrungen. Sie legen ihr Kopftuch auf offener Strasse ab und filmen die Reaktionen.

Jurybegründung: Die Veröffentlichung von Videobildern im Netz, die den Einsatz von Gewalt durch die Polizei oder konservative Glaubenswächter gegen iranische Frauen zeigen, ist eine wichtige Waffe im Kampf gegen deren Unterdrückung geworden.
Indem der Film die brutalen und erschütternden Zeugnisse zusammenträgt und in einen historischen Kontext stellt, klärt er auf wie das Recht auf Meinungsfreiheit und Gleichbehandlung im Iran mit Füssen getreten wird und gibt den mutigen Frauen eine Stimme.

1.000€ Postproduktion

Azizi Mohsen
Azizi Mohsen

Mohsen Azizi, geboren 1983 im Iran, studierte Theaterwissenschaft und dreht seit 2013 Filme.
Seit 2015 lebt er in Bremen. 2017 erhielt er vom Filmbüro bereits eine Förderung für den Kurzfilm HUMANS DIE STANDING.
weiter lesen

Information und Kontakt:

Stempel klein
Stempel klein

Saskia Wegelein-Golovkov oder Ilona Rieke
Mail: (Email-Adresse)
Telefon: 0421-7084891

Bearbeiten

Ihre Suchanfrage wird an duckduckgo.com weitergeleitet