11.11.2012 bis 24.02.2013: Paula Modersohn-Becker Museum

20. Videokunst Förderpeis

Die prämierten Arbeiten "Der große Gammel" von Susann Maria Hempel und "Unter einem Hut. Me as a Stranger" von Eugenia Gortchakova/Kornelia Hoffmann wurden vom 11. November 2012 bis zum 24. Februar 2013 im Paula Modersohn-Becker Museum zu sehen.

Die diesjährige Jury setzte sich zusammen aus
Alexander Steig (Videokünstler, München)
Ingmar Lähnemann (Kurator, Bremen)
und Marikke Heinz-Hoek (Medienkünstlerin, Bremen) - in Vertretung für die Berliner Galeristin Johanna Chromnik (KOW), die kurzfristig krankheitsbedingt absagen musste.
116 Bewerbungen waren aus dem deutschsprachigen Raum und aus Bremens Partnerstädten eingegangen.

Hauptpreis:

"Der Große Gammel" von Susann Maria Hempel

Videostill „Der Große Gammel“
Videostill „Der Große Gammel“
Der Große Gammel
Der Große Gammel

"Der große Gammel" ist der dritte Teil einer äußerst umfassenden, aufwendigen, aber auch sehr individuellen Auseinandersetzung mit dem Verfall, der Zerstörung und letztlich dem Abriss eines kleinstädtischen Theaters in Thüringen. Dessen langsames Ende spiegelt sich im „filmischen“ Verfahren der Künstlerin: der Film entsteht aus über 150 Diafilmen und Tonaufnahmen, die in der Zeit bis zum endgültigen Abriss entstanden und die sie jeweils eigenen Verfallsprozessen aussetzt und dabei scannt und umkopiert.

Die Jury war beeindruckt vom filmischen Ansatz der Künstlerin, die sich nicht auf die morbide Schönheit des Verfalls verlässt, sondern daraus in einem ungewöhnlichen Filmversuch etwas Neues schafft, das damit besonders treffend für den endgültigen Verlust steht.
Sehr überzeugend und filmisch pointiert geht Susann Maria Hempel jeweils spezifisch auf die Phasen des Untergangs des Theaterhauses ein, so dass die Jury einhellig der Überzeugung war, dass auch der dritte Teil dieses „Weltuntergangs“ ein präzis-poetisches Kunstwerk wird, das direkt aus der Dokumentation der Zerstörung entsteht und gleichzeitig deren Spuren visuell und akustisch in sich trägt.

Susann Maria Hempel, *1983 in Greiz, Thüringen. 1999 - 2009 Mitglied der Künstlergruppe Theaterhaus Weimar, 2001 - 2009 Studium der Mediengestaltung an der Bauhaus-Universität Weimar, 2009 Stipendiatin der Thüringer Kulturstiftung, 2009/2010 Stipendiatin der Thüringer Graduiertenförderung, 2011 & 2012 Stipendiatin der Thüringer Kulturstiftung, 2012 Kurzfilmstipendium "cast & cut", Hannover, 2012 Bremer Autoren- und Produzentenpreis

Zweiter Preis:

"Unter einem Hut. Me as a Stranger" von Eugenia Gortchakova und Kornelia Hoffmann

Videostill: Unter einem Hut. Me as a Stranger
Videostill: Unter einem Hut. Me as a Stranger
Videostill: unter einem Hut. Me as a Stranger
Videostill: unter einem Hut. Me as a Stranger

Eugenia Gortchakova und Kornelia Hoffmann fordern in ihrem Projekt an verschiedenen Orten der Welt Menschen auf, aus Kopfbedeckungen diejenige auszuwählen, die ihnen am fremdesten ist, um diese aufzusetzen und ihre Gedanken zu äußern. Dabei werden die Träger des Kopfschmucks aus drei verschiedenen Perspektiven gefilmt. Nach Abschluss des Projekts werden diese Aufnahmen in einem prägnanten Installationsaufbau präsentiert, in der die drei Ansichten in einem dreieckigen Guckkasten gegenübergestellt und deutlich sichtbar werden, wenn man sie durch drei Sehschlitze betrachtet.

Die Jury hat besonders überzeugt, dass Gortchakova/Hoffmann ihren Feldversuch an sehr unterschiedlichen Orten in der Welt umsetzen und dennoch mit ihrer einfachen Geste kein umfassendes ethnologisches Verstehen annehmen.
Die Analyse von persönlicher und kultureller Identität wird unabhängig von allgemein gültigen Aussagen geführt und bleibt den Betrachtern der Arbeit überlassen. Daher erscheint die installativ eingebundene Wiedergabe wichtig und gut gelöst, vermittelt die Betrachtungssituation über die Sehschlitze doch eine Privatheit, die auch in der Aufnahme angelegt ist.
Man tritt der Person, die durch den „fremden“ Hut vorübergehend in eine unbekannte Rolle schlüpft, singulär gegenüber und erhält auch dadurch eine bevorzugte Position.

Eugenia Gortchakova geb. in Kirov, Russland; seit 1992: Atelier in Oldenburg. Video, Foto, Malerei, Grafik. 1967-72 Studium der Philologie, Staatsuniversität Moskau, 1978-82 Studium der Kunstgeschichte, Staatsuniversität Moskau. 2009 Art Festival Maheres, Tunesien, 2009 Project - Prize, Biennial Novosibirsk, 2011 Förderung Institut für Auslandsbeziehungen (ifa).

Kornelia Hoffmann 2010 | Master of Art | Mixed Media, 2007 - 2010 | Studium Fotografie und Medien bei Suse Wiegand und Anna Zika| Bielefeld. 2012 Netz im Visier | The International Triennial of Contemporary Graphic Arts | Novosibirsk State Art Museum, Law and Order | AG Kunst in der Oldenburgischen Landschaft | Oldenburg, Raum4 | Umgedrehte Kommode | Künstlerinnenverband Bremen GEDOK | Bremen, no place Iike home | Der vierte Raum (Apartment Gallery), Bremen.

Vernissage am 11.11.2012

Dr. Frank Laukötter, Direktor des Paula Modersohn-Becker Museum
Dr. Frank Laukötter, Direktor des Paula Modersohn-Becker Museum
Dr. Ingmar Lähnemann, Edith-Russ-Haus, Oldenburg
Dr. Ingmar Lähnemann, Edith-Russ-Haus, Oldenburg
Ilona Rieke, i.V. Geschäftsführung des Filmbüros Bremen e.V.
Ilona Rieke, i.V. Geschäftsführung des Filmbüros Bremen e.V.
Eugenia Gortchakova
Eugenia Gortchakova
Susann Maria Hempel
Susann Maria Hempel
Marikke Heinz-Hoek, Eugenia Gortchakova
Marikke Heinz-Hoek, Eugenia Gortchakova
Ausstellungsansicht: Der Große Gammel
Ausstellungsansicht: Der Große Gammel
Ausstellungsansicht: Der Große Gammel
Ausstellungsansicht: Der Große Gammel
Installationsansicht außen: Unter einem Hut
Installationsansicht außen: Unter einem Hut
Installationsansicht innen: Unter einem Hut
Installationsansicht innen: Unter einem Hut
Installationsansicht außen: Unter einem Hut
Installationsansicht außen: Unter einem Hut

Fotos: Harald Schwörer (Creative Commons: BY-NC-SA-3.0)

Weitere Informationen

Künstlergespräch mit Eugenia Gortchakova am 17.01.2013

Führung durch die Ausstellung mit Frank Laukötter und anschließendem Künstlergespräch. Eugenia Gortchakova berichtet über Hintergründe und Entstehung der Videoinstallation Unter einem Hut – Me as a Stranger. Dazu gibt sie spannende Einblicke in die aktuelle Situation der Kulturschaffenden in Russland.

Eine Veranstaltung des Filmbüros Bremen in Kooperation mit dem Paula Modersohn-Becker Museum.

Kuratorin

Marikke Heinz-Hoek

Organisation

Jürgen Amthor

Die Vergabe des Videokunst Förderpreises wird ermöglicht durch den Senator für Kultur, die Bremische Landesmedienanstalt und dem Künstlerinnenverband Bremen, GEDOK.

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