19. Dokumentarfilm Förderpreis 2016

Die Kulturelle Filmförderung Bremen vergab ihren 19.Dokumentarfilm Förderpreis an vier dokumentarische Filmideen. Zur Unterstützung der Recherche und Entwicklung. Dank der Unterstützung durch die Bremische Landesmedienanstalt konnten wieder 13.000 € Preisgelder ausgelobt werden.

Die unabhängige Fach-Jury bestand aus
Ellen Wietstock (Herausgeberin der “black box”, Berlin),
Rüdiger Suchsland (Filmemacher und Filmjournalist, Berlin) und
Werner Ruzicka (Leiter der Duisburger Filmwoche und Lehrbeauftragter, Duisburg).
Sie vergab vier Preise, die jeweils mit 3.250 Euro dotiert wurden.

Philip Widmann (Berlin)

Magazin A: Die Ruinen von B
Eine filmische Recherche zum ersten libanesischen Tonfilm, zur Erforschung antiker Stätten im Orient durch das Deutsche Reich und zu aktueller archäologischer Arbeit nahe der syrischen Grenze öffnet den Blick auf grundlegende Fragen von Identität, Bedeutung und Wert.

Tim R. Gloystein (Bremen)

Paulas Vermächtnis
Im Sommer des Jahres 1921 verschwinden an der Bahnlinie des Moorexpress zwischen Bremen und Worpswede fünf Mädchen. Sie sind zwischen 12 und 15 Jahre alt und haben eines gemeinsam: alle heißen Paula ...

Sabrina Dittus (Berlin)

Gemeinsam Sein
„All unsere Spaltungen können nicht verhindern, dass wir gemeinsam sind, wir alle.“, schreibt Jean-Luc Nancy in „Die herausgeforderte Gemeinschaft“ (2007). Der geplante Filmessay sucht, dokumentiert und kommentiert unterschiedliche und neue Formen gemeinsamen Seins.

Bernd Schoch (Hamburg)

Under the Milkyway
Das Dokumentarfilmprojekt erzählt von Pilzsammlern, die jährlich in den südlichen Karpaten Rumäniens für einige Monate in provisorischen Zeltlagern an den Waldrändern nahe der Transalpina leben und dort nach Pilzen und Beeren suchen.

Die Zahl der Bewerbungen um den Bremer DokPreis hat sich mit 120 gegenüber den Vorjahren mehr als verdoppelt. Die Jury war in der schwierigen Situation, aus den vielen spannenden, mutigen, und z.T. gewagten Projekten eine Auswahl zu treffen. Eine Einstimmigkeit der Voten hinsichtlich der Preisvergabe konnte nicht in allen Fällen erreicht werden und erfolgte daraufhin zwei Mal mehrheitlich. Auf Grund sehr unterschiedlicher Einschätzung der ausgewählten Projekte trat Ellen Wietstock zurück.

Jurybegründungen:

Magazin A: Die Ruinen von B
Ruinen faszinieren. Sie verweisen auf das Vergehen der Zeit, wecken vielleicht nostalgische, womöglich romantische Empfindungen, regen das Denken und Sehnen an. Sie können aber auch auf vergangene Schrecken verweisen: Eine Katastrophe oder einen Krieg. Ruinen sind Fragmente, die wir in unserem Kopf vervollständigen. Wie die Bilder eines Films, die erst in uns, für uns ein Ganzes ergeben.
Genau dieses fragmentarische Methode verspricht Philip Widmann jetzt in seinem neuen Projekt direkt auf die Leinwand zu übertragen. Er verbindet Archivforschung, Archäologie mit der Geschichte des Libanon und Syrien, einem frühen Tonfilm, mit Karl May, Kaiser Wilhelm II., Georges Sadoul, er fragt nach deutschem Orientalismus und weltbürgerlicher Identität. Das klingt wohltuend chaotisch, überraschend, faszinierend, sinnlich und klug. Wir sind gespannt!

Paulas Vermächtnis
Sommer 1921: An der Bahnlinie des ‚Moorexpreß’ zwischen Bremen und Worpswede verschwinden fünf junge Mädchen. Und alle heißen Paula. Es gibt Spuren, es gibt einen Verdächtigen, es gibt Vermutungs- und Verschwörungszusammenhänge -natürlich. Aber der Fall löst sich nicht auf.
In seinem Projekt “Paula Vermächtnis” will Tim R. Gloystein nach fast hundert Jahren einen neuen Blick auf diesen irritierenden Komplex aus Lokalkrimi, Worpswede-Fama und Massenmord-Hysterie werfen. Er wird dies mit Hilfe von Interviews, Archivmaterial und auch Spielszenen tun – und man darf gespannt sein, was die Geschichte heute preisgibt.

Gemeinsam sein
Gemeinsam haben wir Menschen vieles, und doch scheint Gemeinsamkeit und Gemeinschaft so schwer zu realisieren zu sein, wie zu denken. Zumal viele mit guten Gründen auf den Grenzen der Gemeinschaft bestehen. Den Abgründen, den Chancen und Risiken von Gemeinschaft denkt Jean-Luc Nancy seit Jahrzehnten nach. Sie sind offenbar auch ein Lebensthema von Sabrina Dittus, die sich seit über zehn Jahren mit Nancy beschäftigt.
Der Film-Essay ist eine verführerische, zugleich eine schwierige und ziemlich aus der Mode gekommene Form. Erst recht abseits aller Dokumentarfilmmoden ist die Absicht, einen Philosophen zu portraitieren, und für dessen Ideen eine filmische Form zu finden. Dieses mutige und seltene Projekt, das sich gegen den herrschenden Strom stellt, verdient Unterstützung.

Under the Milkyway
Pilzsammeln in den südlichen Karpaten Rumäniens: Natürlich keine Freizeitbeschäftigung, sondern für viele Familien ökonomische Notdurft, um in den prekären Zeiten des Postsozialismus über die Runden zu kommen. In seinem Projekt “Under the Milky Way” will Bernd Schoch jedoch nicht allein das Zusammenleben der temporären Sammlergemeinschaften beschreiben, sondern zielt auf einen größten, makroökonomischen Zusammenhang: Wie sind die Zeltlager eingeflochten in die große Wertschöpfungskette von Großhändlern bis hin zum Nobelrestaurant in Hamburg? Und: Was können wir vom Pilz lernen?

120 Einreichungen - das ist ein Spitzenwert in all den Jahren, wie uns gesagt wurde. Diese Fülle unterstreicht nicht allein die Bedeutung und die Bekanntheit des Bremer Preises in der deutschen Förderlandschaft. Sie macht auch klar, wie begehrt Dokumentarfilmförderung derzeit überhaupt ist, wie groß der Nutzen einer Anschubförderung gerade für Dokumentarfilmemacher ist, und wie viel auch vergleichsweise kleine Summen für das einzelne Projekt bewirken können. Diese Resonanz beweist:

Die deutsche Dokumentarfilmszene braucht solche Förderpreise.

Bremen, August 2016

Ausschreibung 19.DokFilmPreis 2016 als pdf
Einreichformular DokFilmPreis 2016 als pdf

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Der Bremer Dokumentarfilm Förderpreis wird ermöglicht durch die finanzielle Unterstützung der Bremischen Landesmedienanstalt.

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