Kulturelle Filmförderung 2017

Die Kulturelle Filmförderung Bremen hat im November 2017 Fördermittel in Höhe von 20.000€ an acht Bremer Projekte vergeben.

Die Kulturelle Filmförderung Bremen wird bundesweit ausgeschrieben und umfasst die Bereiche Drehbuch, Produktionsvorbereitung, Produktion und Vertrieb/Präsentation. Ausdrücklich sind alle medialen Erzählformen eingeladen. Es muss ein Bremen-Bezug gegeben sein.

Eine unabhängige Jury aus Fachleuten der Szene ist das Herz der kulturellen Filmförderung. Drei Personen mit ihrem jeweils eigenen fachlichen Blick gewährleisten die Förderung filmischer Projekte mit Mut zum Experiment, künstlerischer Handschrift und gesellschaftsrelevanter Thematik.

Wir freuen uns, dieses Jahr erneut eine solche Jury erlebt zu haben. Die Entscheidung über die Kulturelle Filmförderung Bremen 2017 trafen:
Christine Jezior, Dokumentarfilmerin, Filmproduzentin MAAM.tv, Bremen
Maryam Motallebzadeh, Bildende Künstlerin, Bremen/Berlin
Tiina Takkula, Autorin, Bremen/Berlin

Die Jury der Kulturellen Filmförderung Bremen 2017: C.Jezior, M.Motallebzadeh, T.Takkula
Die Jury der Kulturellen Filmförderung Bremen 2017: C.Jezior, M.Motallebzadeh, T.Takkula

27 Anträge waren dem Filmbüro Bremen vorgelegt worden, davon 23 aus Bremen. Den überwiegenden Anteil machten dieses Mal dokumentarische Stoffe aus. Die Förderentscheidung spiegelt diese Antragslage wider.

Nach ausführlicher Auseinandersetzung mit den Anträgen wurden die zur Verfügung stehenden 20.000€ an folgende acht Projekte vergeben:

Produktionsvorbereitung

Leben Dokumentarfilm von Annette Ortlieb

Vorbereitung und Recherche: 3.000€
Wehrmacht, israelische Verteidigungsarmee, Armee der Ukraine. Desertieren, Verweigern. Drei Generationen, zwei Männer, eine Frau. Begegnung und ein Vermächtnis.
Jurybegründung: "Leben" von Annette Ortlieb ist ein internationales Projekt dessen Brisanz und Aktualität universell und zeitlos sind. Die Frage nach individuellem Pazifismus versus kollektivem Patriotismus in verschiedenen Ländern und Generationen führt schnell zu einem tief menschlichen Gedanken, nämlich dem, dass wir alle unschuldig auf die Welt kommen.
Kriegsdienstverweigerer und Deserteure werden kriminalisiert und stigmatisiert, und dies ist heute nicht anders als vor siebzig Jahren, hier nicht anders als in anderen Ländern.
Gute Recherche und fotografisch ausgereifte Bildsprache des bereits gesammelten Materials haben zusätzlich überzeugt und stellen einen spannenden, gut gemachten Film in Aussicht, dessen Thematik kontrovers diskutiert werden wird.

Töchter der Revolution Dokumentarfilm von Christine Vogelsang

Vorbereitung, Materialsicherung: 2.200€
Die 25-jährigen Freundinnen Helen und Fiori leben in Asmara, Eritrea und engagieren sich für ihre gemeinsame Idee: eine Gesellschaft, in der Frauen und Männer gleichberechtigt sind. Der Film begleitet die jungen Frauen in ihrem Alltag und öffnet den Blick auf die jungen Generationen in Eritrea.
Jurybegründung: „Töchter der Revolution“ überzeugt durch die große Nähe zu seinen Protagonistinnen und ihrem geografischen und kulturellen Hintergrund.
Der Umstand, dass Eritrea eines der wenigen Länder ist, aus denen Asylbewerber in Deutschland anerkannt werden, bedeutet immer noch nicht, dass die Welt viel über das Land und seine Bewohner weiß – es ist in Europa kaum in den Medien präsent. Die Portraits der beiden Protagonistinnen stehen für ein Leben in bewegten politischen Zeiten, für moderne Frauen, die ihre Rechte einfordern, sich ein selbstbestimmtes Leben aufbauen und der nächsten Generation einen neuen Weg ermöglichen wollen.

The Divine Quest Dokumentarfilm von Jaaee Jadhav

Vorbereitung: 2.000€
In „The Divine Quest“ dokumentiert die Filmemacherin Jaaee Jadhav die spirituelle Reise und Transformation ihrer Mutter zur loyalen Anhängerin eines Gurus in der modernen indischen Gesellschaft – und schlägt über dieses Einzelschicksal eine Brücke zu den großen spirituellen Fragen der Gegenwart, auch in Deutschland: Was bedeutet Glauben heute? Wonach sind wir auf der Suche?
Jurybegründung: Die Reise einer Tochter nach Hause und ihr Schock über die Veränderung ihrer Mutter scheint auf den ersten Blick eine sehr private Geschichte zu sein. Schnell jedoch öffnet sich die Thematik und wirft die Frage auf: Warum sehnen sich so viele Karrierefrauen nach spiritueller Führung und Hingabe, woher kommt dieser Kontrast? Und die Frage verlässt das Land: Kommt auch auf uns ein verstärktes Bedürfnis nach Religiosität zu oder ist es sogar schon da?
Der Film über die Suche nach Sinn und Glück ist auch die Reise einer Tochter zurück zur Mutter. Aus dem Eindruck von Verlust und Entfremdung entsteht Annäherung und Neuanfang.

Produktion

Ümmü Dokumentarfilm von Orhan Çalışır

Produktion: 5.000€
Eine vierfache Mutter muss als alleinstehende Frau in unsicheren Putzjobs arbeiten, in der Regel ohne Papiere. Sie hat ihr Leben lang schwer gearbeitet, war aber immer arm. Doch das ist nur eine Seite der Geschichte: Mit 43 Jahren hat sie beschlossen Fahrrad fahren und mit 55 schwimmen zu lernen. Der Film begleitet ihre späte, schrittweise Selbstverwirklichung unter schwierigen Bedingungen.
Jurybegründung: Mit Ümmü, zu deutsch "Oma", wird eine Gruppe von Menschen portraitiert, die bisher kaum oder nicht im Fokus von Filmemachern stand. Eine Frau, die allein vier Kinder groß gezogen hat und noch immer am Existenzminimum lebt, trotz Jobs und kreativen Versorgungsideen.
In Bremen ansässig, könnte Ümmü überall sein. Bei genauerer Betrachtung wird uns klar, dass Ümmü auch unsere eigene Groß- oder Urgroßmutter sein könnte, die starke Frau im Hintergrund, die sich in harten Zeiten nicht unterkriegen lässt. Trotz ihrer schwierigen Situation hinterlässt Ümmü uns mit einem Gefühl der Rührung und Zuversicht.

Aus 24: Fünfzehn Experimenteller Musikfilm von Uwe Rasch

Produktion: 2.000€
Die Einzelmodule ”aus vierundzwanzig” sind der Versuch zeitgenössisches Bild- und Klangmaterial in aktuellen Bezug zu Schuberts „Winterreise“ zu setzen.
Jurybegründung: Uwe Raschs Werk fällt durch Kontinuität, Internationalität und Intermedialität auf und aus dem Rahmen. Überzeugt hat neben der Tiefgründigkeit und Ästhetik seines Werks und des Konzepts auch die Annäherung an innovative Gestaltungstechniken.
Er fängt in seiner audio-visuellen Inszenierung den verhüllten Körper in poetischer Bildsprache ein: Ein verhüllter, sich bewegender Körper als einsame, isolierte Figur legt auch den Bezug zum Thema Flucht und Migration, Fremde und Fremdsein nahe.
Der metaphorische Aspekt in Schuberts Winterreise hat nie an Aktualität verloren, sondern bestimmt im Gegenteil die politisch-gesellschaftliche Auseinandersetzung unserer Zeit: „Fremd bin ich eingezogen, fremd zieh’ ich wieder aus.“

Niñez. Kindheit in Nicaragua Dokumentarfilm von Jakub Dudzikowski/ Produktion: Martrick GmbH

Produktion: 2.000€
„Wer wäre ich, wenn ich woanders aufgewachsen wäre?“ fragt sich Jakub Dudzikowski und zeigt, wie Kindheit in Nicaragua aussieht. Es entstehen Portraits von sechs Kindern aus verschiedenen Teilen des zentralamerikanischen Landes.
Jurybegründung: „Niñez“ überzeugt in seiner Kombination aus der Jugendlichkeit des Filmemachers, seiner Fragestellung und dem reichhaltigen und dichten Material.
Jakub Dudzikowski stellt seine Protagonisten mit großer Sensibilität und Empathie vor und setzt sich gleichzeitig selbst in Bezug zum von ihm beobachteten Alltag der Kinder. Dieser reflektierte Blick gewinnt durch das Alter des Fragestellers noch zusätzlich an Stärke.
Der Bezug zum eigenen Leben überträgt sich aufs Publikum und öffnet das Bewusstsein für die Zufälligkeit des eigenen Daseins. Die Gestaltung ihres Lebens und ihrer Zukunft wird von den Kindern immer wieder thematisiert, führt dabei aber auch die Ungleichheit ihrer Chancen aufgrund geografischer und sozialer Unterschiede vor Augen.

Supernazi VS Diddlmaus Filmische Lesung von Jan van Hasselt

Produktion: 2.000€
Warum gibt es in der deutschen Popkultur keine Superhelden wie Batman oder Superman? Warum keine Monster wie Dracula, King Kong oder Godzilla? Der Ton-Bild-Vortrag umkreist die Frage nach der deutschen Monster- und Superheldenkultur.
Jurybegründung: Ein anspruchsvolles Projekt, mit ungewöhnlichem und vielversprechendem Umsetzungskonzept, dessen Fragestellung vieldimensional behandelt wird und doch den Blick auf Deutschland und uns selbst zurück lenkt.
Reflektierend, kritisch und gleichzeitig humorvoll wird die Ausgangsfrage interdisziplinär behandelt. Neben Musik und Film nehmen sich auch renommierte Intellektuelle der Fragestellung an, was die Relevanz des Themas noch untermauert.

Nine Scenes From A Marriage Experimentalfilm von Shirin Mohammad

Produktion: 1.800€
Nine scenes from the life of an Iranian couple. Scenes without any physical action, almost like still lifes. Only the sound narrates the couple‘s daily life for us.
Jurybegründung: „Nine Scenes from a marriage“ ist eine ungewöhnliche Idee, die mit dem Gegensatz von Bild und Ton arbeitet. Das Private einer Ehe wird durch den Sprung auf die Leinwand öffentlich – aber nicht sichtbar und schafft damit einen Verweis auf das, was gezeigt werden darf und kann und was nicht.
Damit wird die Arbeit übers Private politisch und dem Zuschauer werden Erkenntnisse als auch Geheimnisse präsentiert, die die Vorstellungskraft herausfordern.

Kontakt und Information:

Saskia Wegelein-Golovkov
Tel: 0421-7084891
(Email-Adresse)

Die Kulturelle Filmförderung Bremen wurde bundesweit zum 16.10.2017 ausgeschrieben und umfasste die Bereiche Drehbuch, Produktionsvorbereitung, Produktion und Vertrieb/Präsentation. Ausdrücklich waren alle medialen Erzählformen eingeladen. Es musste ein Bremen-Bezug gegeben sein: Wohnort der Antragsteller, Dreharbeiten in Bremen/wirtschaftlicher Effekt oder Bremer Thema.

Ausschreibung KFF 2017 pdf/ Antragsformular KFF Bremen 2017 / Richtlinien 2017

Bearbeiten

Ihre Suchanfrage wird an duckduckgo.com weitergeleitet